
Ars Produktion
ARS 38 516
EAN 4260052385166
Aufnahme: 27.-30.6.11
Release: 01/2012
Dauer: 76:02
Avec Privilege du roy
Marin Marais (1656-1728)
Pieces de Viole, 5e livre, 1725
1 Prelude
2 l´Allemande Poisat 2.49
3 Sarabande
4 Le petit badinage
5 Gigue la pointilleuse
6 Saillie du Jardin
7 Le Jeu du Volant
8 Chaconne
Louis Heudelinne (Lebensdaten unbekannt)
Trois Suites de pieces a deux violles ..., livre premier, 1701
Seconde Suite pour le dessus de violle en la majeur
9 Prelude
10 Allemande
11 Courante, Double de la Courante
12 Sarabande
13 Gigue
14 Gavotte, Double de la Gavotte
15 Rigaudon, Second Rigaudon, Troisième Rigaudon
16 Sonate en Chaconne
François Couperin (1668-1733)
L´Art de Toucher le Clavecin, 1716
17 Cinquième Prélude pour Clavecin en la majeur
François Couperin (1668-1733)
Pieces de Violes avec la basse chifrée par MR F.C., 1728
2eme Suite en la majeur
18 Prelude
19 Fuguette
20 Pompe funébre
21 La Chemise Blanche
Jean-Philippe Rameau (1683-1764)
Nouvelles Suites de Pièces de Clavecin, 1726/27
22 Gavotte avec les Doubles pour Clavecin en la mineur
Louis de Caix d´Hervelois (1660/70-ca. 1760)
Troisiéme OEvre contenant quatre suites de pieces
pour la viole avec la Baße chifrée, 1728
Troisième Suite en la mineur
23 Prélude
24 Allemande
25 Les Vendengeuses de Monguichet
26 La Sache / Vivement
27 Gigue
28 La Badine
29 Musette
30 La Michel
Focus Baroque:
Holger Faust-Peters, Viola da gamba
Irén Lill, Cembalo
Bassgambe von Christian Brose, 1998 nach Barak Norman (1698)
Diskantgambe von Michael Pilger, 2006 nach Henry Jaye (1676)
Cembalo von Samuli Siponmaa, 2006 nach Jean-Henry Hemsch (1761)
Französische Musik für Viola da gamba und Cembalo – edel, graziös, intim, höfisch. Eine Musik für Wenige, für eine Elite in einem totalitären System. Die kulturelle Blüte, die sich unter dem Sonnenkönig Louis XIV in Versailles entwickeln konnte, wirkte auch über dessen Grenzen hinaus nach Paris und Frankreich.
Louis XIV, in jungen Jahren selber begnadeter Tänzer, hatte verschiedene Musikensembles zu seiner ständigen Verfügung und strenge Regularien legten fest, wann sie im Tagesablauf zu spielen hatten. Eingeteilt waren sie in die Bereiche Musique de la chambre, zuständig für die weltliche Kammermusik und bestehend aus Sängern, Flötisten, Geigern und Continuo- Instrumenten sowie den berühmten 24 violons du roy, in die Musique de la Grande Ecurie für die offiziellen Zeremonien, ausgestattet mit mehreren Ensembles lauter Instrumente wie Trompeten, Trommeln, Oboen, Dudelsäcke u.a. sowie die Musique de la Chapelle Royal für die kirchliche Musik mit unzähligen Sängern sowie umfangreichem Orchester und geleitet von 4 Sous-Maîres.
Der Musikbetrieb, streng hierarchisch organisiert, war sowohl zu Repräsentationszwecken, als auch für das persönliche Amusement des Königs ausgesprochen wichtig. Bereits vor dem Frühstück, das um 10 Uhr stattfand, pflegte Louis eine Stunde lang Musik zu hören, vorgetragen meist von Robert de Viséeauf der Gitarre. Und so wundert es nicht, dass selbst für einzelne Instrumente Musiker mit königlichen Titeln versehen wurden. Marais durfte sich seit 1679 Ordinaire de la chambre du Roy pour la Viole nennen, wie er gerne auf den Titelblättern seiner 5 Bände mit Pieces de Viole erwähnt. Und François Couperin, der Tastenvirtuose, trug den Titel Organiste de la Chapelle du Roy; ordinaire de la Musique de sa Chambre.
Die strenge Form der Suite mit ihren Tanzsätzen, die sich während Louis´ Herrschaft etabliert hatte, galt auch noch Jahrzehnte nach dessen aktiver Tanzzeit als die Form französischer Kammermusik - unterschieden von der Form der Sonate, die aus Italien nach Europa drängte, jedoch in Versailles verpönt war. Die Kernsätze der Suite bildeten Allemande - Courante - Sarabande und Gigue, oftmals von einem Prélude eingeleitet. Diese Sätze finden wir in den Gambensuiten z.B. der Altmeister Hotman, Du Buisson und Demachy. Erweitert wird diese Satzfolge zunehmend durch weitere Tanzsätze wie Gavotte, Menuet u.a. Mehr und mehr streben die Komponisten darüber hinaus nach freieren Kompositionsformen und bedienen sich hier der Charakterstücke, der pieces de caractères, wie sie genannt werden. Vorreiter auf diesem Gebiet ist der berühmte Sr. de Ste Colombe, der in seinen Concerts à deux Violes Esgales bereits Ende des 17. Jahrhunderts eine Vielzahl programmatischer Stücke komponiert hatte. Beliebte freiere Sätze waren zunächst Rondeau, Chaconne, Caprice, Tombeau u.a., später dann zunehmend auch programmatisch benannte Sätze wie Le petit badinage / die kleine Tändelei von Marais, Pompe funébre / Beerdigungszeremonie oder La Chemise Blanche / Das weiße Hemd von Couperin.
Politisch folgten nach dem Tod des Königs Louis XIV im Jahr 1715 zunächst 8 Jahre der Regence, der Übergangsregierung von Philipp II von Orléans, der selbst übrigens Gambenspieler und Schüler Forquerays war. 1723 konnte der Urenkel des alten Königs und rechtmäßige Thronfolger Louis XV die Regierungsgeschäfte übernehmen, nachdem er mit 13 Jahren gemäß der für Könige geltenden Regelung volljährig geworden war. In dieser Zeit wurden verschiedene Bereiche des Lebens liberalisiert, so auch die Künste. Insbesondere wurde die strikte Ablehnung aller ausländischen Einflüsse aufgegeben: In den 1725 erstmals erlaubten öffentlichen Konzerten, den berühmten Concerts spirituels, durften gar in den ersten Jahren ihres Bestehens keine französischen Werke aufgeführt werden! Hier wurde nun u.a. italienische Musik eingeführt, die deutlich ihre Spuren beim Publikumsgeschmack und folglich auch bei den französischen Komponisten hinterließ. Mit seinem Werk Les Goûts réunis etwa versuchte Couperin 1724 eine Annäherung der bisher verfeindeten Stile zu finden. Die hier eingespielte Suite von Caix d´Hervelois ist deutlich unter diesem italienischen Einfluss entstanden.
In der bildenden Kunst sehen wir bei Antoine Watteau (1684 - 1721), wie man sich dem – freilich idealisierten – Idyll der ländlichen Szenen verschrieb. Man liebte es, sich im Freien zum gemeinsamen Musizieren zu treffen, viele Darstellungen zeigen Gitarren, Lauten, Musettes (Dudelsäcke), auch Gamben, gespielt von zwanglos gruppierten gut gelaunten Menschen. Diese Schäferszenen, die Liebe zur Natur und zum einfachen Leben findet auch ihren Weg in die Musik, etwa bei Marais im Satz Saillie du Jardin (Geistesblitz im Garten) oder bei seiner Vertonung des beliebten Federballspiels in Le Jeu du Volant. Ebenso in den Musetten von Caix d´Hervelois oder in dessen Satz Les Vendengeuses de Montguichet / Die Weinleserinnen von Montguichet. Auch die Tändeleien oder Späße (Le petit badinage / La Badine) kann man sich leicht in einer Watteau-Szene vorstellen...
Holger Faust-Peters.
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Ars Produktion
ARS 38 490
EAN 4260052384909
Aufnahme: 13.-15.05.2008
Release: 01.02.2010
Dauer: 60:00
Anno 1698
Godfrey Finger (1660-1730)
Sonate A-Dur, ca.1687
Augusto Kühnel (1645-ca.1700)
Sonate o Partite ad una o due Viole da Gamba
con il Basso Continuo, Kassel 1698
Suite XIII a-Moll
Georg Muffat (ca.1653-1704)
Apparatus musico-organisticus, Salzburg 1690
Joan Schenk (1660-ca.1712)
Tyd en Konst-Oeffeningen, Amsterdam 1688
Sonata X C-Dur
Conrad Höffler (ca.1647-ca.1705)
Primitiae Chelicae, Nürnberg 1695
Sonate V d-Moll
Dietrich Buxtehude (1637-1707)
Sonate D-Dur, BuxWV 268
Focus Baroque:
Holger Faust-Peters, Viola da gamba
Irén Lill, Cembalo
Viola da gamba von Christian Brosse, 1998 nach Barak Norman (1698)
Cembalo von Rainer Schütze, 1971 Heidelberg nach Ruckers
Fünf Werke für Viola da gamba und Basso Continuo sowie eine Toccata für Cembalo solo – alle aus der Feder deutscher Komponisten oder solchen, die wesentliche Abschnitte ihres Lebens im deutschsprachigen Raum verbrachten – und doch eine stilistische Vielfalt, die überrascht. Und das umso mehr, da alle Werke innerhalb einer einzigen Dekade, nämlich zwischen 1687 und 1698 erschienen sind. Die Beschäftigung mit dieser Musik erscheint zunächst wie eine Reise durch die europäischen Stile, insbesondere natürlich durch die beiden vorherrschenden Vertreter Italien und Frankreich. Auch englische Einflüsse sind hörbar. Und tatsächlich gab es in dieser Zeit einen regen Austausch der verschiedenen Geschmäcker; nahezu alle der hier gespielten Komponisten unternahmen ausgedehnte Reisen ins Ausland und ließen sich inspirieren von Vorbildern wie etwa Arcangelo Corelli oder Jean-Baptiste Lully. Dennoch aber klingt keines der Werke wirklich ganz und gar französisch oder italienisch; im letzteren Fall ist dies nicht so verwunderlich, da die Gambe in Italien kurz vor 1700 schon keine bedeutende Rolle mehr spielte und die Gambisten die Ideen der Violinmusik für ihr Instrument neu umsetzen mussten. Aber auch die französische Gambenmusik etwa von Marin Marais hat einen deutlich anderen Charakter als die hier gespielte, feiner in ihren Verzierungen und dunkler im Affekt. Zumindest in der formalen Anlage sind jedoch zwei der Kompositionen eindeutig französisch inspiriert. Das hier eingespielte Repertoire verfügt über einige Elemente, die wir vielleicht doch als typisch deutsch einstufen dürfen: Da wäre zunächst der Tonumfang der Viola da gamba, in Frankreich gerade durch eine tiefe siebente Saite nach unten erweitert. In Deutschland setzt sich diese 7. Saite nicht durch, lediglich in Johann Sebastian Bachs Werk wird sie an wenigen Stellen gefordert und in einigen der ganz späten Werke etwa von Johann Gottlieb Graun, die aber erst ein gutes halbes Jahrhundert später entstanden. Hier aber entdecken wir im Gegenteil die verbreitete Ausweitung des Klangraumes in die ganz hohen Lagen, ein Tonumfang von 3½ Oktaven stellt um 1700 für deutsche Gambisten offenbar kein technisches Problem dar. Auch die häufige Verwendung von Doppelgriffen und Akkorden, die im Vergleich zur französischen Gambenliteratur noch verbreiteter ist, zeigt, dass die Gambe in Deutschland ein virtuos gespieltes Instrument war, völlig gleichberechtigt neben der Violine. Auch die geschwinden Läufe geben Zeugnis von Gambenvirtuosen, die keine technischen Herausforderungen scheuten. Zwei der eingespielten Werke schließlich sind im „Stylus Phantasticus“ komponiert. Dieser bezieht sich in seiner freien Kompositionsform einerseits auf die niederländische Schule etwa von Jan Pieterszoon Sweelinck mit seiner Phantasia Chromatica, andererseits auf die Toccaten von Girolamo Frescobaldi; im norddeutschen Raum wird er insbesondere von Dietrich Buxtehude in seinem Orgelwerk zu einem ebenfalls typisch deutschen Stil fortentwickelt.
(Holger Faust-Peters)
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Ars Produktion
ARS 38 489
EAN 4260052384893
Aufnahme: 09./10.01.2003
Release: 01.09.2009
Dauer: 52:00

très gentil cuer -
Höfische Musik des späten Mittelalters
Francesco Landini (ca. 1335-1397)
1 Ochi dolenti mie
Solage (um 1380)
2 Très gentil cuer aus: Codex Chantilly
Francesco Landini (ca. 1335-1397)
3 Sì dolce non sonò
Jacopo da Bologna (ca. 1340-1360)
4 Soto l´Imperio del posente prinçe
Diminution aus: Codex Faenza
Anonymus
5 Toute clerté aus: Codex Chantilly
Anonymus
6 Ha Fortune aus: Codex Chantilly
Anonymus
7 Biance flour aus: Codex Faenza
Don Paolo da Firenze (ca. 1355-1436)
8 Sofrir m’ estuet
Guillaume de Machaut (ca. 1300-1377)
9 Honte, paour, doubtance
Francesco Landini (ca. 1335-1397)
10 Questa fanciulla
Fortuna Canta:
Åsa Junesjö - Sopran
Katrin Krauß - Blockflöte
Holger Faust-Peters - Fidel
Ute Faust - Fidel, Blockflöte, Laute
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Aufnahme: August 2008
Dauer: 42:17
Vertrieb: Schola Stralsundensis
www.scholastralsundensis.de
Schola Stralsundensis
Turris Fortissima
Bittgebete aus der Stralsunder Motettenhandschrift von 1585
- Eucharius Hoffmann: Sile Deo anima mea
- Jakob Meiland: Delectare in Domino
- Eucharius Hoffmann: Turris Fortissima
- Philippe Verdelot: Si bona suscepimus
- Arnoldus Fejis: Emendemus
- Ludwig Senfl: De profundis clamavi
- Johann Walther: Nv bitten wir
- Jakob Meiland: Beati omnes qui timent Dominum
- Ghiselin Danckert : Tua est potentia
Schola Stralsundensis:
Vokal: Dorothea Wagner, Anna Kellnhofer, Christoph Dittmar, Ingo Voelkner, Milo Machover, Martin Erhardt, Simon Borutzki
Traversflöte: Elizabeth Farrell, Daja Leevke Hinrichs, Milo Machover
Blockflöte: Stefanie Lüdecke, Antonie Schlegel, Ingo Voelkner
Dulzian: Antonie Schlegel
Organetto: Martin Erhardt
Viola da Gamba: Dietrich Haböck, Miyoko Ito, Holger Faust-Peters, Katharina Schlegel
Leitung: Maurice van Lieshout
Hörbeispiel:
Eucharius Hoffmann (1540 - 1588)
Turris Fortissima

abec-0100
Aufnahme: 16.-21.Januar 2008
Release: 2008
Dauer: 75:21
Vertrieb: Thomas Kügler
www.thomaskuegler.com
ensemble tom ring
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Das ensemble tom ring vertont Musikdarstellungen des 15. bis 19. Jahrhunderts aus der Sammlung des LWL-Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte Münster
Werke von
Arnold Schlick, Hayne van Ghizeghem, Hans Neusiedler, Philippe Verdelot, Jacob van Eyck, Luigi Rossi, Francesca Caccini, Claudio Monteverdi, John Dowland, Sylvius Leopold Weiss, C.P.E. Bach u.a.
ensemble tom ring:
Arianna Savall, Petter Johansen, Thomas Kügler, Holger Faust-Peters, Claas Harders, Michael Freimuth, Marie Bournisien u.a.
Hörbeispiele:
Jakob Obrecht (1457 - 1505)
Agnus Dei
Arianna Savall - Sopran, Petter Johansen - Tenor, Thomas Kügler - Blockflöte, Holger Faust-Peters - Fidel
Anonymus (16. Jahrhundert)
De tous bien plaine
Michael Freimuth - Laute, Marie Bournisien - Harfe, Holger Faust-Peters - Fidel

Ars Produktion
ARS 38 065
EAN 4260052380659
Aufnahme: 19.-22.02.2009
Release: 01.11.2009
Dauer: 67:54

Baroque in Poland - church and court music
Kleinode polnischen Barocks
Musik der Kirchen- und Hofkapellen in Polen des 17. und 18. Jahrhunderts
Die meisten Musiker und Musikliebhaber assoziieren mit der polnischen Musik nur den Namen Frédéric Chopin. Dieser große Komponist des 19. Jahrhunderts ließ sich in vielen seiner Werke von Motiven der polnischen Volksmusik inspirieren. Dies hatten vor ihm schon frühere Generationen polnischer Komponisten gemacht, welche leider heute in Vergessenheit geraten sind. Das Jubiläumsjahr 2010 – der 200. Geburtstag Chopins – könnte dazu dienen, die wenig bekannten Schätze der polnischen Musik des 17. und 18. Jahrhundert wieder ans Licht zu bringen. Diese Musik, die sowohl von polnischen als auch von in Polen tätigen ausländischen Komponisten stammt, verdient viel mehr Aufmerksamkeit und deswegen stellen wir sie Ihnen auf unserer CD vor. [...] Sehr viele vokal-instrumentale Kammermusikwerke, die in Polen während des 17. und 18. Jahrhunderts komponiert wurden, sind unglücklicherweise für die europäische Musikgeschichte für immer verloren gegangen. Die erhaltenen Stücke, die wir präsentieren wollen, zeichnen sich durch ihr hohes künstlerisches Niveau aus. Wir hoffen, dass unsere CD einen kleinen Beitrag leisten wird, diese wertvollen Werke einem breiteren Publikum näher zu bringen.
Marcin Mielczewski (1590–1651)
1 Canzona prima a 2 (für 2 Violinen und B.c.)
Maciej Wronowicz (ca. 1645–ca. 1700)
2 "In dulci iubilo" Concerto a 3 (für Sopran, 2 Violinen und B.c.)
Adam Jarzębski (1590–1648)
3 "Berlinesa" Concerto a 3 (für 2 Violinen, Viola da gamba und B.c.)
Jan Podbielski (XVII Jh.)
4 Preludium (Cembalo solo)
Anonymus (XVII Jh.)
5 Canzona primi toni aus "Warschauer Orgeltabulatur" (Orgel solo)
Stanisław Sylwester Szarzyński (ca. 1670–1713)
6 "Jesu spes mea" Concerto a 3 (für Sopran, 2 Violinen und B.c.)
Stanisław Sylwester Szarzyński
7 "Veni, Sancte Spiritus" Concerto a 3 (für Sopran, 2 Violinen und B.c.)
Stanisław Sylwester Szarzyński
8 Sonata a due violini con basso pro organo
Adagio - Allegro - Grave - Allegro - Grave - Allegro - Adagio
Antoni Milwid (1755–1837)
9 Kantate "Semper mi Jesu" (für Sopran, Violine und B.c.)
Violine solo: Dagmar Valentova
Kaspar Förster jun. (1616–1673)
10-12 Sonata G (für 2 Violinen, Viola da gamba und B.c.)
10 Adagio - Allegro
11 Allegro
12 Adagio - Allegro - Allegro
Giovanni Battista Luparini (ca. 1700–1775)
13-15 Kantate "In martirio crudele" (für Sopran, 2 Violinen und B.c)
13 Symphonia
14 Recitativo - Aria
15 Recitativo - Aria - Alleluia
alla polacca:
Iwona Leśniowska-Lubowicz • soprano
Paulina Kilarska • organ, harpsichord
Stanisław Gojny • theorbo
Dagmar Valentova • baroque violin
Margret Baumgartl • baroque violin
Holger Faust-Peters • viola da gamba
Rezensionen
Der Booklet-Text beginnt mit dem freundlich-ironischen Hinweis, dass man sich angesichts des drohenden Chopin-Jahres 2010 doch vergegenwärtigen möge, dass es bereits im barocken Polen eine blühende Musikkultur gab. Zuerst sei die königliche Kapelle in Warschau die wichtigste Institution der Musikpflege gewesen, wobei die italienische Musik stilbildend gewesen sei. Nach dem schwedischen Überfall auf Polen im Jahre 1655, der mit der Zerstörung der Hauptstadt auch die Auflösung der Hofkapelle mit sich gebracht habe, "konzentrierte sich die Musikpflege vornehmlich auf die Kirchenkapellen. Die barocke Klangsprache erreichte damals auch die kleineren Städte."
Ein Großteil der polnischen Musik des 17. und 18. Jahrhunderts sei verloren gegangen. Aber die für die CD ausgewählten Kompositionen zeichneten sich durch ein "hohes künstlerisches Niveau" aus – eine Einschätzung, die man als Hörer nur bestätigen kann. Freilich hat an diesem Eindruck auch die exzellente Qualität der Interpretation einen Anteil. Es ist charakteristisch für die Alte Musik heutzutage, dass auch (vermeintlich) randständiges Repertoire "in statu nascendi" seiner Wiederbelebung sogleich hochprofessionell erschlossen wird.
Auf weitere Einspielungen des Ensembles kann man nur gespannt sein.
Bewertung: 5 "K"
(großartig)
Bernhard Morbach, 05.11.2009 | kulturradio rbb
Der barocken Musikkultur Polens wurde bislang nicht nur auf dem Tonträgermarkt kaum Aufmerksamkeit zuteil. Das könnte sich mit der Einspielung von vokalen und instrumentalen Kammermusiken der wichtigsten polnischen Barockmeister ändern.
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war die unter starkem italienischem Einfluss stehende königliche Kapelle Warschau das Zentrum der Musikpflege in Polen. Hier wirkten beispielsweise Luca Marenzio und Tarquinio Merula, die mit ihrem virtuosen und kontrastreichen Stil zunächst dafür sorgten, dass ein spezifisch polnisches Repertoire nur wenig Beachtung fand; ein Repertoire, das mit der im Laufe des 17. Jahrhunderts wachsenden Zahl musikalischer Zentren, vor allem mit den nach und nach immer mehr an Bedeutung gewinnenden Kirchenkapellen aber merklich populärer wurde. Eine Musik, die den konzertierenden und an Ornamentik reichen italienischen Stil zwar nicht abstreifte, ihn aber auf oft recht delikate Weise mit Elementen der polnischen Volksmusik unterfütterte, wie es die herrlich erfrischenden Mazurka-Anklänge in Marcin Mielczewskis (1590-1651) Canzone prima a 2 (für zwei Violinen und B.c.) belegen. Interessanterweise finden sich in der Vokalmusik dieser Zeit auch Spuren der im 16. Jahrhundert von den Franko-Flamen nach ganz Europa getragenen klassischen Vokalpolyphonie – dazu höre man das mehrteilige geistliche Konzert In dulci jubilo für Sopran, zwei Violinen und Basso continuo Maciej Wronowiczs (ca. 1645-ca. 1700).
Vielleicht ließen sich die einen Bogen von der Renaissance bis zum Barock spannenden Werke dieser CD als ein Zusammenwirken von niederländischer Kompositionstechnik, italienischem Stil und – besonders im Bereich des Rhythmischen – polnischem Wesen charakterisieren. Doch verzichten sie, lässt man kontrastierende Satzcharaktere wie in Stanislaw Sylvester Szarzynskis (ca. 1670-1713) Sonata a due violini con basso pro organo außer Acht, bei allen Italianismen auf den Affektenreichtum der italienischen Musik dieser Zeit. Es ist eine Musik, die nicht nur handwerklich keinen Vergleich mit der Musik anderer europäischer Nationen im 17./18. Jahrhundert zu scheuen braucht: leicht fassbar, periodisch übersichtlich gebaut, bisweilen von bezaubernder Eleganz und Leichtfüßigkeit.
Auf hohem Niveau bewegen sich auch die gewandten und klangschönen Interpretationen des ausgesprochen homogen agierenden Ensembles alla polacca, das von dem geschmeidigen und anmutigen Sopran Iwona Lesniowska-Lubowiczs geadelt wird, der trotz brillanter Verzierungs- und Koloraturtechnik zu keiner Zeit überzüchtet wirkt. [...]
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität: 8
Gesamteindruck: 8
(Bewertungsskala: 1-10)
Christof Jetzschke, 12.01.2010 | Klassik Heute
Kunstfertig
In unserem west- und zentraleuropäischen Bewusstsein ist zu wenig verankert, dass Polen-Litauen im 16. und 17. Jahrhundert ein mächtiges, hochkulturelles Land war. Nicht nur der gewählte König und der hohe Klerus, sondern auch zahlreiche Magnaten der Adelsrepublik förderten die Künste, und obwohl die wichtigsten Posten zunächst an deutsche, dann an italienische Musiker vergeben wurden, entwickelte sich in deren Umfeld rasch ein eigenständiges polnisches Musikleben.
Die Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts hatte daran wenig Interesse, und im Zweiten Weltkrieg sind viele Quellen endgültig verloren gegangen.lmmerhin kann das Ensemble Alla Polacca nun einen einigermaßen repräsentativen Einblick in die polnische Rarockmusik geben. Sein Programm spannt den Bogen von Marcin Mielczewski (1590-1651) bis zu dem für seine Zeit sehr konservativ schreibenden Antoni Milwid (1755-1837); es bietet eine ansprechende Mischung aus drei Vokalkonzerten, zwei Kantaten und sechs Instrumentalwerken, die ihrerseits das Spektrum von volkstümlichen Elementen bis hoher Kunstfertigkeit abdecken.
Ist dies allein schon verdienstvoll, so kann auch die Interpretation sehr für sich einnehmen. Iwona Leśniowska-Lubowicz (Sopran) überzeugt mit klarer Textgestaltung und angenehmem Timbre, die fünf Instrumentalisten beweisen auf hohem technischen Niveau Augenmaß für die Darstellung der Affekte und für die Funktion einzelner Wendungen. Ebendies macht den Charme dieser Produktion aus: Hier wird seriös und detailgenau, aber ohne übertrieben laute Töne für ein unbekanntes Repertoire geworben.
Musik: 5 (hervorragend)
Klang: 4 (sehr gut)
Matthias Hengelbrock | FonoForum 06/10

Carus-Verlag
CAR83244/00
EAN 4009350832442
Aufnahme: 26.-28.03.2009
Release: 01.02.2010
Dauer: 73:15

Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Markus-Passion BWV 247
Rekonstruierte Fassung von Dietmar Hellmann und Andreas Glöckner
Nach Aussage von Carl Philipp Emanuel Bach soll sein Vater fünf Passionsmusiken verfasst haben. Demnach müsste dieser also noch drei weitere einschlägige Werke komponiert haben. Zumindest eine davon, die 1731 entstandene Markus-Passion BWV 247, lässt sich eindeutig durch erhaltene Textbücher belegen, wenngleich ihre Musik lange Zeit als verloren galt. 1873 erbrachte der Musikforscher Wilhelm Rust den Nachweis, dass Bach fünf Sätze in der Markus-Passion der Trauerode BWV 198 entnommen hat. In der Folgezeit konnten weitere Sätze identifiziert werden, die in der Markus-Passion wiederverwendet wurden, so dass schließlich 1964 von Dietmar Hellmann eine aufführbare Rekonstruktionsausgabe erstellt werden konnte. Für seine 2001 veröffentlichte Ausgabe beim CARUS-Verlag konnte sich Andreas Glöckner zusätzlich auf neue Erkenntnisse stützen, die für die vorliegende Einspielung durch den sensationellen Fund eines Textdruckes von 1744 in der Russischen Nationalbibliothek in St. Petersburg Anfang 2009 ergänzt wurden. Die Frage der Gestaltung der Rezitative muss dabei allerdings nach wie vor unbeantwortet bleiben. Für letztere bietet die Aufnahme allerdings eine überzeugende Lösung an: Sie lässt die Evangelistenworte von dem bekannten Schauspieler Dominique Horwitz sprechen. Zusammen mit den Sängern von Amarcord und der Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens entstand eine plausible, rundum befriedigende Aufführungsfassung von Bachs Markus-Passion.
Dominique Horwitz, Sprecher
Kölner Akademie
amarcord
Michael Alexander Willens, Leitung

Dabringhaus und Grimm
MDG 605 0964-2
EAN: 760623096421
Release: 08.05.2000
2 CDs
Dauer: 126:00
CD 1 47:30
CD 2 78:04
Jan Dismas Zelenka (1679-1745)
Responsoria pro Hebdomada Sancta
CD 1
Feria V
In monte oliveti, Tristis est anima mea, Ecce, vidimus eum, Amicus meus
Judas mercator pessimus, Unus ex discipulis meis, Eram quasi agnus innocens
Una hora, Seniores populi
CD 2
Feria VI
Omnes amici mei, Velum templi scissum est, Vinea mea electa, Tamquam ad latronem
Tenebrae factae sunt, Animam meam dilectam, Tradiderunt me, Jesum tradidit impius, Caligaverunt oculi mei
Sabbato Sancto Sicut ovis, Jerusalem, surge, Plange quasi virgo, Recessit pastor noster, O vos omnes
Ecce quomodo moritur justus, Astiterunt reges terrae, Aestimatus sum, Sepulto Domino
Capella Montana
Bochumer Gambenensemble
Leitung: Ludwig Gossner
Rezension
[...] Ludwig Goßner's ensembles are agile, alert, and responsive, with the vocalists producing a sound that is expectedly but never excessively lean. Though light-toned, the vocal soloists — drawn from Capella Montana — generate abundant warmth and are clearly in touch with the emotional content of the text. The dark-hued instrumental support — violas da gamba, sackbutts, and organ — play colla parte, lending a dour and proper timbre to the Lenten texts. Ravishing sound and cogent, intelligently written notes further commend this exquisitely recorded and beautifully packaged set.
Investigate this recording, especially if you are prone to be musically curious or are a Baroque specialist, for it holds music of ravishing beauty, intelligent construction, and performances that are ne plus ultra.
By Robert Emmett, Fanfare Magazine 2000 September-October